Alcest
Alcest entstand im Jahr 2000 in Bagnols-sur-Cèze im französischen Département Gard, zunächst als Ein-Mann-Projekt des Multiinstrumentalisten Stéphane „Neige" Paut. Gemeinsam mit Gitarrist Ludovic „Aegnor" Faure und Bassist Argoth formierte sich rasch ein Trio, das 2001 die vier Stücke umfassende Demo Tristesse hivernale über Drakkar Productions veröffentlichte – roher, von Burzum und frühen Ulver geprägter Black Metal, aufgenommen in einer Atmosphäre winterlicher Tristesse. Aegnor steuerte das Hauptriff zu La Forêt de Cristal bei, bevor er und Argoth das Projekt verließen und Neige Alcest als Soloprojekt weiterführte. Aegnor gründete später Peste Noire – ein Bruch, der die stilistische Scheidelinie der französischen Extremmusik jener Jahre markiert.
Mit der im Mai 2005 erschienenen EP Le secret vollzog Neige die entscheidende Zäsur: Statt roher Schwarzmetall-Kälte traten tremologepickte Gitarrenwände, hallverhangene Clean-Passagen und ein sphärischer, fast entkörperlichter Gesang. Le secret gilt heute als Ursprungstext des Blackgaze, jener Schnittmenge aus Black Metal und Shoegaze, die Alcest vor Deafheaven oder Wolves in the Throne Room vorwegnahmen. Nach acht Jahren als Soloprojekt unterzeichnete Neige im März 2007 bei Prophecy Productions aus Bayern – ein Label, das mit seiner Vorliebe für atmosphärische Grenzgänger wie Empyrium oder Tenhi den idealen Nährboden bot. Das Debüt Souvenirs d'un autre monde (8. August 2007) wurde von Pitchfork als „gar kein Black Metal" verortet und mit My Bloody Valentine und Jesu verglichen.
2009 stieß Schlagzeuger Jean „Winterhalter" Deflandre, bekannt von Les Discrets, hinzu und beendete die Ära des Ein-Mann-Projekts. Écailles de lune (26. März 2010) verdichtete den Wall of Sound zwischen Blastbeat-Ausbrüchen und Slowdive'scher Melancholie; AllMusic attestierte eine „compelling fusion". Mit Les Voyages de l'âme (6. Januar 2012) und dem bewusst metal-freien Shelter (17. Januar 2014, mit Produzent Birgir Jón Birgisson, Streichern von Amiina und Neil Halstead als Gast) lotete die Band die Grenzen des Genres aus. Kodama (30. September 2016) kehrte unter dem Eindruck von Hayao Miyazakis Prinzessin Mononoke zum Blackgaze zurück und erreichte Platz 15 der deutschen Charts.
Der Wechsel zu Nuclear Blast für Spiritual Instinct (25. Oktober 2019) markierte den Sprung in die internationale Metal-Erstliga: Platz 12 in Deutschland, Platz 6 der US Heatseekers. Nach der Pandemie folgte mit Les Chants de l'aurore (21. Juni 2024) das bislang letzte Werk, begleitet von der Single L'Envol. Live ist Alcest seit 2010 mit Gitarrist Pierre „Zero" Corson und Bassistin Indria Saray unterwegs und spielte auf Festivals wie dem Party.San Open Air und Full Force in Deutschland.
Diskografie
2007 - Souvenirs d'un autre monde (Prophecy Productions)
2010 - Écailles de lune (Prophecy Productions)
2012 - Les Voyages de l'âme (Prophecy Productions)
2014 - Shelter (Prophecy Productions)
2016 - Kodama (Prophecy Productions)
2019 - Spiritual Instinct (Nuclear Blast)
2024 - Les Chants de l'aurore (Nuclear Blast)
Important EPs
2005 - Le secret (Drakkar Productions; 2011 wiederveröffentlicht via Prophecy Productions)
2012 - BBC Live Session (Prophecy Productions)
2019 - Protection EP (Nuclear Blast)
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